Chromatische Zurechtbiegung

Nachdem ich mich ja erst kuerzlich der allgegenwaertigen Chrome-Hype angeschlossen habe, gibt es heute ein paar ernuechtende Tatsachen zu vermelden.
Ja, auch Chrome ist nicht perfekt. Aber wer das von einer Beta-Version erwartet hat, der hat sich selbst in die Taschen gelogen. So ist natuerlich der :%-Bug, eine kleine Macke in der Politur. Mich persoenlich tangiert das allerdings eher peripher, denn seien wir mal ehrlich: Wer gibt denn schon :% in seiner Adressleiste ein oder benutzt die Kombination in Links? Eben.
Was mich eher etwas stoerte, ist das Verhalten bei Downloads und passwortgeschuetzten Seiten.
So funktionierte zum Beispiel der Opera-Download nicht. Nachdem ja alle Welt behauptet, dass Opera alles das, was Chrome kann, viel besser macht, wollte ich mich dem natuerlich vergewissern (es stimmt uebrigens nicht ;-)).
Weiterhin konnte ich mich nicht in unserem Ticketsystem einloggen. Hier kam eine Art Hydraeffekt zum Einsatz: Fuer jedes Passwortfenster wurden drei neue geoeffnet. Zum Glueck liess sich der Tab ohne Probleme abschiessen. Unter Firefox haette ich da dank der modalen Dialoge ein bisschen alt ausgesehen.
Ebenso konnte ich einen 500er bewundern, der unter keinem anderen Browser auftrat. Wie kann man da noch von Serverfehler reden?
Trotz der Fingertapser auf dem Chrom finde ich den Browser immer noch sehr benutzbar und bin auch von meiner anfaenglichen Einschaetzung nicht abgewichen.

Aber natuerlich soll dieser Eintrag nicht nur der Zurechtrueckung des eigenen Weltbildes dienen, sondern auch der, anderer.
Es war eigentlich abzusehen. Kaum hat Google mal wieder etwas herausgebracht, kamen allerorts die ewigen Google-Paranoiker hervor, die wieder nur Datenklau und Bespitzelung gesehen haben. Aber Leute, mal ehrlich. Denkt doch bitte mal fuer drei Pfennige nach: Wuerde sich Google die Bloesse geben, die Sourcen fuer eine Software herauszugeben, fuer die man ihnen richtig vor den Karren pissen kann? Wenn Ihr das glaubt, dann seid Ihr duemmer als es Google in einem solchen Fall sein muesste.
Warum werden denn Daten ausgetauscht? Na in erster Linie, weil Datenaustausch zu den Hauptaufgaben eines Browsers gehoert. Und warum ausgerechnet mit Google? Weil es ein Teil der Funktionalitaet ist! Wo sollen denn sonst die Suchvorschlaege herkommen? Von Eurer Platte? Und die Updates? Und die aktuelle Phishing-Blacklist? Ja glaubt Ihr denn, andere Browser verhalten sich da so viel anders?
Mal im Ernst: Wenn Ihr Angst davor habt, dass Google Euch bespitzelt, dann benutzt einen Anonymizer, einen Proxy, eine andere Suchmaschine oder einen anderen Browser. Oder stellt die Funktionen einfach ab. Aber hoert bitte auf, mehr Bullshit zu erzaehlen als unbedingt notwendig. Und macht Euch bitte nicht damit laecherlich, dass Ihr von einem Browser Datenschutz verlangt, den Ihr durch Eure exzessive Web-2.0-Praesenz wieder zunichte macht.

Auch rumtönen?