Glaenzende Augen
- Verfasst von Schlens am 3. September 2008, 08:49 unter Computer, Netz & Co, Dear Diary
Naja, eigentlich eher ein erster Blick auf Chrome, eine Kurzzusammenfassung der Eindruecke, die mich nach ungefaehr einer halben Stunde testen ereilt haben.
Das Ding ist aufgeraeumt
Es gibt nicht viel, das einen vom Browsen ablenkt, nicht viel, das wertvollen Bildschirmplatz wegnimmt. Die Statuszeile wurde abgeschafft, bei Bedarf wird ein Balloon eingeblendet.
Ebenso das Menu. Da es bei Chrome nicht viel gibt, das ein Menu erforderte, hat man es konsequenterweise gleich weggelassen, genauso wie die total unnoetige Titelleiste.
Die maximierte Ansicht entspricht in der Raumausnutzung der Vollbildansicht von Firefox mit eingeblendeter Adress- und Tableiste, nicht-maximiert kommen noch in etwa 20px in der Vertikalen fuer die fehlende Titelleiste hinzu. Sweet!
Intuitiv
Es gibt nicht viele Moeglichkeiten der Interaktion, aber die, die es gibt, sind ziemlich einfach zu bedienen.
Tabs koennen per Drag’n Drop im Parentwindow verschoben, herausgeloest oder in ein neues Fenster eingegliedert werden.
Die gewohnten Tastenkombinationen funktionieren weiterhin. Strg-W zum Tab schliessen, Strg-T zum Tab erstellen, Strg-N fuer ein neues Fenster, Strg-R fuer den Reload, F6 fuer die Adresszeile, Strg-Up/Down zum Navigieren zwischen Tabs - alles da.
Brauchbar
Ich weiss nicht, wie ich es anders formulieren soll. Firefox-Anwender werden das Problem kennen: Sobald ein Tab nach z.B. einem Passwort fragt, ist der Rest des Browsers nicht mehr zugaenglich. Nicht so in Chrome. Einer der Bugs, ueber die ich bisher bei Chrome gestolpert bin, ist ein Hydra-Effekt beim Login in unser Ticketsystem: Jeder Anmeldeversuch fuehrt zu drei neuen Passwort-Prompts. Unschoen. Unter Firefox waere man jetzt aufgeschmissen und muesste zu killall -9 firefox (o.ae.) greifen. Nicht so in Chrome. Hier wird einfach der entsprechende Tab geschlossen und man kann weiterarbeiten wie bisher.
Aehnliches gilt natuerlich auch beim Laden von Webseiten. Nur weil Tab 8 gerade massiv laedt (oder gar: haengt), heisst das nicht, dass ich in Tab 2 nicht mehr weiterarbeiten kann. Ein Feature, das ich mir schon seit Ewigkeiten von Firefox gewuenscht habe: Vollstaendige Isolation der Tabs. Google hat es getan.
Relativ ressourcenschonend
130MB fuer 15 Tabs - das ist OK. Zum Vergleich: Mein parallel dazu laufender Firefox genehmigt sich gerade mit 20 Tags 300MB, wobei er an guten Tagen auch kein Problem damit hat, sich 1,5GB zu krallen. Schoen, wenn man nur 2GB RAM hat.
Da jedes Tag ein eigener Prozess ist, wird der Speicher auch definitiv freigegeben, wenn man das Tab schliesst. Firefox hat ja da bekanntermassen das eine oder andere Problem. Wie auch z.B. in der Absicherung gegen amoklaufende Flash- und Javascript-Applikationen und Extensions. Dem hat man sich bei Google angenommen und ist von dem inherent beknackten Singlethread-Modell abgerueckt*.
Auch die Geschwindigkeit ist annehmbar. Dafuer, dass ich Chrome in einer VirtualBox mit 512MB zugewiesenem RAM auf einem auf 1GHz runtergetakteten CoreDuo mit offenen IE8 und Photoshop laufen hatte, war das Teil echt fix.
Ich bin gespannt, wie sich Chrome weiterentwickelt und wuerde mich wirklich freuen, wenn moeglichst bald eine Linux-Version rauskaeme.
Interessant zu sehen wird sein, wie die Mozilla Foundation auf diesen Schuss vor den Bug reagiert. Der Schritt von Fx2 auf Fx3 war ja im Zuge der ganzen Schwachstellen eher eine Agenda 2010 als eine richtige Reform.
Vielleicht wird das ja mit Fx4 (oder 3.5) besser.
Umfangreichere Reviews gibt es u.a. auf Golem und bei lifehacker.
*) Ich weiss, dass Firefox mehrere Threads ausfuehrt, das aendert aber nichts an der Tatsache, dass er sich verhaelt wie eine Singlethread-Applikation, weil alles durch den Mainthread muss.
4. September 2008 um 06:06 -
Glänzende Augen bekommt man unter anderem auch beim Javascript Performance Test.
Hier mal die Ergebnisse von Firefox (nativ unter Linux), und die von Chrome (unter Virtualbox im Seamless Mode). Da guckt man doch etwas verblüfft aus der Wäsche…
4. September 2008 um 10:32 -
Mit dem Fuchs aus dem aktuellsten Trunk gehts immerhin schon etwas flotter…
10. September 2008 um 21:40 -
[...] ich mich ja erst kuerzlich der allgegenwaertigen Chrome-Hype angeschlossen habe, gibt es heute ein paar ernuechtende Tatsachen [...]