Lucid Dreams - Bekenntnisse einer Oneironautin

Zu träumen war für mich schon immer eine sehr spannende Sache, Alpträume hin oder her. Schon als Kind genoss ich meine “nächtlichen Ausflüge” und entdeckte recht früh, dass mir im Traum oftmals bewusst wurde: “Mensch, Du träumst jetzt aber!”. Interessant fand ich auch die Möglichkeit, aktiv in den Traum eingreifen zu können, was für mich ebenso normal war, wie das Bewusstsein des Sich-im-Traum-Befindens an sich. Dass das in irgendeiner Form ungewöhnlich sein sollte, dieser Gedanke kam mir komischerweise nie in den Sinn. Für mich war es das Normalste auf der Welt, dass Menschen eine Art Traumbewusstsein haben und - besonders bei Alpträumen - das Traumgeschehen lenken oder zumindest geringfügig beeinflussen konnten. Mit zunehmendem Alter fiel mir auf, dass grad meine “Alpträume” auf mich wie richtig gut gemachte Spielfilme wirkten: Wahnsinnig gute “Kameraführung”, atemberaubende Szenenbilder, tolle Farben, oftmals mit musikalischer Untermalung - und immer wieder riesige Gebäude(-komplexe). All das fand ich faszinierend, und so waren es grad die Alpträume, die mir oft über lange Zeit als wohlige Erinnerung im Gedächtnis blieben. Irgendwann als Jugendliche hatte ich mal eine Diskussion mit Freunden, in der einer beklagte, er träume zwar “abgefahrenes Zeug”, aber er fände es schade, dass er nie in Farbe träumen würde. Ich war baff! Auf meine Rückfrage, wie er das gemeint hätte, guckte er mich verblüfft an: “Wieso, träumst Du etwa ab und an in Farbe?”. Ich versuchte mich zu erinnern, ob ich jemals in s/w geträumt hätte, und wenn ja, dann kam das im Verhältnis zu meinen Technicolor-Träumen sicherlich äußerst selten vor. Wir unterhielten uns stundenlang, bis mir klar wurde, dass meine Art zu träumen sich von der der (meisten) anderen ganz gewaltig unterschied…

Als ich in etwa Mitte Zwanzig war, erlebte ich etwas, das ich bis dato nur in Minimalform erlebt hatte: Ein Serien-Traum. Ich träumte immer wieder denselben Traum, arbeitete mich aber in diesem immer weiter voran. Kurz beschrieben ging es darum, einen Weg aus einer Art riesigem Internat (Marke: Steintreppen, lange Flure, viele Türen und mehrere Etagen) zu einem Hotel mit Glasfront zu finden, dass in einer Bergsteilwand lag und nur über einen Fahrstuhl erreichbar war. Dort irgendwo lag die Lösung des Traumrätsels, also mein Ziel. Ich träumte mich immer wieder durch die unzähligen Flure des Internats, lernte in vielen Träume den bestmöglichen Weg, wusste Hindernissen (z. B. der fiesen Internatsleiterin oder verschlossenen Türen) aus dem Weg zu gehen und erreichte irgendwann den Fahrstuhl, der mich zum eigenartig schmalen Hotel beförderte. Wie gesagt, ich träumte diesen Traum immer wieder - VON VORNE! Im Hotel gings nach gleicher Manier weiter, doch leider fand ich nie des Rätsels Lösung, was mich ehrlich gesagt ziemlich enttäuschte. Glücklicherweise wurde diese Enttäuschung durch viele andere fantastische Traumgeschichten etwas abgemildert, z. B. das “Survival-Game” in einer quadratkilometergroßen Fabrikhalle, in der es eine Art Regenwald gab, oder den wohl geilsten Traum-Spielfilm, den ich je gesehen hab, und der in einem Showdown gegen den Teufel endete (ich hab natürlich gewonnen *g*).

Meine Fähigkeiten in den Träumen orientieren sich stark an dem, was ich auch im Wachzustand in der Lage bin zu leisten, doch auch Lernfähigkeit im Traum ist keine Seltenheit, oder gar das falsche Erwachen, also das Erwachen aus einem Traum im Traum. Hinzu kommen so wunderbar aufregende Fähigkeiten wie Schweben oder Fliegen, die ich bis heute zu den schönsten Dingen beim Träumen zähle. All meine Sinne funktionieren im Traum, will sagen ich kann riechen, sehen, hören, schmecken und tasten. Ich kann im Traum Musik hören, die ich aus der Wachwelt kenne, oder mir etwas völlig Neues reproduzieren. Die ab und an auftretende Hilflosigkeit oder Angst in Alpträumen kann ich fast immer durch Intervention abwenden oder gar in eine Art Überlegenheit umkehren. Selbst das Lösen von reellen Problemen funktioniert bisweilen im Traum, doch das setzt eine intensive Beschäftigung mit Problem-Fragestellungen vor dem Einschlafen voraus, und verlangt eine kritische Analyse der Traumgeschehnisse nach dem Aufwachen.

Es hat mich nie interessiert, mich über luzide Träume in irgendeiner Form “schlauzulesen”, obwohl es durchaus spannende und recht umfangreiche Literatur dazu gibt. Meine eigenen Erfahrungen liefern mir genügend Informationen, dessen Auswertung ihr hier in absoluter Kurzform lesen könnt. Wer mehr erfahren möchte, dem sei an dieser Stelle die Wikipedia und Klartraum.de ans Herz gelegt, die das Thema kurz und verständlich umreißen.

In diesem Sinne: Dream on!

Auch rumtönen?