Fremde Federn: “Fuck the politics” von Akif Pirinçci

Och, ich bin ja so aufgeregt! Dieses Jahr stehen wieder Wahlen an. Das heißt außer dieser Kanzlerwahl, nee, Bundestagswahl nennt man die wohl, habe ich nicht die geringste Ahnung, in welchen Bundesländern die anderen stattfinden. Jetzt darf gerätselt werden. Wer wird der Gewinner sein, wer der Verlierer? Die Journalisten überschlagen sich mit Mutmaßungen und treiben jede Woche eine neue Sau durchs Dorf. Steinbrück hat bei einem Symposium der Holz verarbeitenden Industrie zweimal feucht gefurzt. Damit sinken die Chancen für die SPD auf eine Regierungsbildung um vier Prozent. Wahnsinn! Cem Özdemir sagte, selbstverständlich schlachte er jeden Ramadan eine Holsteinische Kuh halal bei sich aufm Klo. Durch die Sympathien der türkischstämmigen Deutschen für diese Aussage rückt eine grünrote Koalition in greifbare Nähe. Hammer! Die Linke hat in ihr Parteiprogramm aufgenommen, daß jeder Reiche, der das Doppelte eines Hartz-IV-Empfängers verdient, nicht nur mit hundert Prozent zu besteuern, sondern anschließend mit Benzin zu übergießen und anzustecken sei. Mutiger Vorschlag! Und die Piraten verlangen, daß man alte Denkmuster überwinden und wieder die Sklavenhaltung legalisieren solle. Schließlich müsse bei einem bedingungslosen Grundeinkommen auch jemand da sein, der einem noch die Zehennägel schneidet. Visionär!

Alle sind ganz aus dem Häuschen und verfolgen noch die winzigsten Zuckungen des Politbetriebs mit Argusaugen. Und nicht allein die Journaille, auch “die Menschen draußen im Lande” kriegen fast einen Herzinfarkt bei jedem Rülps, den der Politbetrieb abläßt. Noch die lachhafteste Nichtigkeit wird brühwarm von dem im Besitz der Politiker befindlichen Fernsehsenders namens ARDZDFWDRNDRSWRBRMDRHR3SATARTEKIKAPHOENIXusw. sofort verbreitet, und das Volk hält den Atem an. Die Politiker sind einfach allgegenwärtig und dauerpräsent. Ein Umweltminister, der vom Erscheinungsbild her sämtliche Klischees des stinkenden, schwitzenden Dicken bestätigt, will die Leute am Kochen ihres Essens vorerst mit “Energieberatung” hindern. Doch anstatt daß man ihm entgegenschreit “Warum frißt du dann selber, bis der Arzt kommt, du fettes Schwein!”, wird allen Ernstes über solch einen Schwachsinn medial bis zum Abwinken diskutiert. Ein Brüdele sagt, was alte Männer zu geilen jungen Frauen um Mitternacht an der Hotelbar eben so sagen, und schon entbrennt eine wochenlange Medienschlacht, welche die Nation an den Rand des Nervenzusammenbruchs stürzt. Und ein Finanzministerdarsteller rollt im Minutenrhythmus vor dreitausend Mikrofone und verkündet irgendwas von Trillionen Euro, die er am Morgen unter seinem Kopfkissen gefunden habe und nun aus lauter Barmherzigkeit Richtung “Süden” vermachen wolle, und keiner der Journalisten fragt, ob das mit diesen Kissenschatz auch seine Richtigkeit hat.

Ich habe übrigens eben gelogen. Das mit der Politik geht mir nämlich in Wahrheit am Arsch vorbei. Ich habe in meinem ganzen Leben noch kein einziges Mal gewählt und werde es auch in Zukunft nicht tun. Und ich kann es auch jedem empfehlen. Sogenannte Konservative, (die gar nicht so konservativ sind wie sie tun, jedenfalls habe ich in den letzten zwanzig Jahren keinen Mucks von denen gehört, daß man Abtreibung wieder unter Strafe stellen sollte, egal, wie man darüber denkt) führen mein Verhalten darauf zurück, daß mittlerweile sämtliche Parteien hierzulande einen sozialistischen Einheitsbrei bilden würden, sozusagen die CDUSPDFDPGRÜNEDIELINKEPIRATEN, ja selbst die NPD gehört dazu, und ich deswegen gar keine Alternative zum Wählen eines Gegenparts hätte und mich deshalb schmollend zurückzöge. Aber das stimmt gar nicht. Es will mir vielmehr nicht in den Kopf, weshalb man hierzulande überhaupt so etwas wie Politik oder Politiker braucht. Ich bin der festen Überzeugung, daß ein Volk, das einen durchschnittlichen Intelligenzquotienten von 110 besitzt (Bio-Deutsche), auf Politik komplett verzichten kann. Okay, es müssen ein paar Typen geben (bloß keine Frauen, die haben das Muttergen und wollen nur das Geld rumverschenken), die so Sachen wie Militär, Polizei, Sicherung der Grenzen, unabhängige Justiz, Straßenverkehr im Griff haben. Für alles andere reicht das Gesetzbuch von, sagen wir mal, von 1973 und ausführende Organe. Oder andersrum gefragt: Was würde eigentlich passieren, wenn morgen alle Politiker in diesem Land, ihre Staatssekretäre, höhere Beamten und die weiter unten Stehenden in der schmarotzenden Nahrungskette einfach platzten und die ganzen Regierungsgebäude in Flammen aufgehen würden? Gäbe es dann kein Brot mehr in der Bäckerei? Würde dann ein einziges Mercedes-E-Klasse-Wagen weniger verkauft? Würden dann die Werktätigen in der Schwermaschinenbranche ihre Arbeit niederlegen? Würden dann die Bauern nicht mehr ihre Kühe melken? Natürlich nicht. Alles würde weiter gehen so wie bisher, nichts würde sich ändern. Außer natürlich für die, die von diesem Klauhannes namens Staat leben.

In einer Wohlstandsgesellschaft wie Deutschland, dessen Reichtum zuvörderst von Ingenieuren, Facharbeitern, Tüftlern und zumeist mittelständischen Betrieben generiert wird und dessen Funktionieren n o c h unter Vernunftsgesichtspunkten erfolgt und nicht durch Gottanbeten braucht man keine Politiker, die einem die Welt erklären und dafür von mir unter Androhung von Gefängnisaufenthalt, Existenzvernichtung und Enteignung, also Gewalt mein Geld herauspressen. Sie sind nichts weiter als unnütze Parasiten, die den Bogen raus haben, mit Hilfe dummdreister Medien ihre beknackten, insbesondere jedoch völlig überflüssigen Ideen als oberwichtig und absolut notwendig darzustellen.

Ich verdeutliche das mal an einem harmlosen Beispiel. Keine Sorge, ich fange jetzt nicht mit der sogenannten Energiewende an, bei der man die Leute eines Industrielandes mit der Herstellung von Sonne-Mond-und-Sterne-Stroms verarscht. Nein, viel harmloser, aber nicht weniger bekloppt. Es haben schon fast alle vergessen, aber vor einigen Jahren fand hier mal die sogenannte Rechtschreibreform statt. Der wichtigste Grund hierfür war die Begründung, daß die deutsche Schriftsprache viel zu kompliziert sei und unnötig viele Ausnahmeregelungen enthalte. Sie wäre deshalb schwer zu erlernen. Wenn man einigermaßen normal in der Birne ist, würde man darauf antworten: Na und? so ist diese Sprache nun einmal, wenn sie zu schwer ist, dann muß man halt fleißiger sein und sich mehr anstrengen. Außerdem ist es mir persönlich scheißegal, ob mir mein Anwalt, das Amt oder wer auch immer einen Brief schreibt, in dem statt “daß” “dass” steht, Hauptsache ich kann das Geschriebene verstehen. Und was das Erlernen einer Sprache oder Schriftsprache angeht, heißt auch hier die Faustregel: Doof bleibt doof, da helfen keine Pillen.

Nicht so die Denke der Politiker. Um ihre Existenzberechtigung unter Beweis zu stellen, kamen sie auf eine grandiose Idee: Wir vereinfachen die Schriftsprache schlicht, am besten soll jeder schreiben, wie er mag. Dann nämlich fallen selbst die Schwachsinnigsten nicht so auf, wenn sie was schreiben. Auch das wäre mir scheißegal gewesen, weil ich der Meinung bin, daß ein nicht unerheblicher Prozentsatz der Bewohner dieses Landes eh aus Vollidioten besteht. Aber, jetzt kommt `s, anstatt den Leuten diese armselige Weisheit einfach in einer Fernsehsendung, sagen wir mal, bei “Wetten, dass ..?” zu verkünden, machte man einen Riesenbohei um das Ding. Jahrelang setzte man tausendköpfige Kommissionen ein, alimentierte Hunderte von Professoren, ließ Gutachten anfertigen, berief Konferenzen ein, sammelte brockhausbändedicke Vorschläge, engagierte Team, um diese Vorschläge auszuwerten, und beschäftigte was weiß ich noch wie viele von meinem Steuergeld bezahlte Blödmänner. Und das alles wegen so einer beschissenen Idee, die nicht einmal einem Schimpansen in den Sinn gekommen wäre. Ich habe nicht die geringste Ahnung, was das alles gekostet hat. Aber eine Milliarde bestimmt, wenn nicht noch mehr.

Damals fand in der Öffentlichkeit ein heftiger Kulturkampf statt, doch inzwischen ist die neue Rechtschreibreform gegessen und niemand verliert mehr ein Wort darüber. Jüngere können sich nicht einmal mehr erinnern, daß jemals anders geschrieben worden ist. Eine bescheidene Frage sei mir jedoch trotzdem gestattet: Und, hat diese Reform etwas gebracht? Schreiben die Leute nun fehlerfreier? Ist die Schriftsprache dadurch leichter zu erlernen? Kriegen alle einen Orgasmus, weil sie anstatt “Elephant” “Elefant” schreiben dürfen. NATÜRLICH NICHT! Nach letzten Untersuchungen hat sich das Schriftdeutsche sogar noch verschlechtert, was natürlich zum größten Teil auf das Unvermögen der “südländischen” Migranten mit der deutschen Sprache zurückzuführen ist. Wollte man heute von einem damaligen Kultusminister wissen, was dann die ganze Scheiße dann sollte, wird er sich in irgendwelche Ausflüchte retten und irgendeinen Mist daherreden, um seine einstige Entscheidung zu rechtfertigen und als absolut richtig darzustellen. Ungewollt wird er letzten Endes sagen, daß er halt wie jeder Politiker keine große Leuchte ist, sondern ein Blender und Scheinriese, der in Wahrheit noch zu blöd ist, um bei Aldi Regale aufzufüllen. Aber mein Geld, das ich damals dem Finanzamt überweisen mußte, ist dennoch weg! Ein für allemal.

Und so ist das mit allem in der Politik. Dort sitzen ausschließlich Versager in Maßanzügen, die alle naselang eine bepißte Idee meist aus der linken Ecke aufgreifen, diese als heilsbringend erklären und mit Hilfe ihrer ebenfalls nicht gerade als helle zu bezeichnenden Saufkumpanen von der Presse “zur Diskussion” stellen. Regt sich dagegen kein besonderer Widerstand, kann man das Geld anderer Leute bedenkenlos ausgeben, ohne daß später auch nur ein Euro an der eigenen Pension fehlt.

Was kann man dagegen tun? Nun, wie gesagt, zunächst einmal nicht wählen gehen. Es ist nämlich scheißegal, wen man wählt. Deutschland ist dreigeteilt. Auf der einen Seite stehen Menschen, die für ihr Geld hart arbeiten müssen, auf der anderen Seite solche, die so tun als ob, in Wirklichkeit aber vom Steuergeld der Einzahlenden in das System leben, z. B. sämtliche sogenannten sozialen Berufe, und an dritte Stelle Schmarotzer, die sich nicht einmal mehr die Mühe geben, den Eindruck zu vermitteln, als lebten sie nicht vom Staat. Und deshalb, liebe Mitbürger und Mitbürgerinnen, ist in Deutschland seit ihrem Bestehen jede Menge und unterschiedlichen Zuschnitts Gebäude abgefackelt worden, aber noch kein einziges Mal ein Finanzamt. Das ist nämlich das Nervenzentrum dieser Lügenshow, an der niemand rühren möchte.

Wie gesagt, in einem Land, in dem wenige intelligente und fleißige Leute so viel Wohlstand erwirtschaften, daß man es sich sogar leisten kann, Schwerverbrecher auf einen Segeltörn zu schicken, um sie zu “therapieren”, können Politiker sich nur noch eine Locke auf ihrer Glatze drehen und eine gefällige Dünschiß-Idee nach der anderen aus seligen WG-Zeiten, als man noch haschen durfte, realisieren. Atomkraftwerke abschalten? Kein Problem, ich bezahl die Folgen ja nicht. Hunderttausendfach analphabetische Ausländer ins Land reinlassen? Kein Problem, ich bezahl die Folgen ja nicht. Schulformen umändern, damit das Niveau an die Dööfsten angepaßt wird? Kein Problem, ich bezahl die Folgen ja nicht.

Zum Schluß zwei Nachrichten. Zuerst eine offizielle: Letztens war der Obermufti von Ägypten hier, dessen größtes Herzensanliegen ist, schon 12jährige zum Abschuß für eine Heirat freizugeben, also Kinderficken zu legalisieren, und hat unsere breitarschige Kanzlerin um Kohle angehauen, vermutlich, weil er schon eine schnuckelige 12jährige im Auge hat. Anstatt diesem Arschgeigenhansel zu sagen, weißt du was, bei uns auf der Kanzlertoilette ist noch jede Menge gebrauchtes Klopapier, das kannst du haben! hat man dem guten Mann noch sechzig Millionen Euro in die Hand gedrückt. Also jetzt nicht direkt vom Konto der Kanzlerin, sondern vom Konto der Steuerzahler. Die zweite Nachricht ist privater Natur. Ein guter Freund rief mich vor ein paar Tagen an und berichtete mir, daß er ganz verzweifelt sei, weil das Finanzamt von ihm dreißigtausend Euro Nachzahlung verlange. Stundung, das war einmal. Er hätte diesen Kollaborateuren des menschenverachtenden Systems gesagt, daß sie sich noch sechs Monate gedulden sollen, dann käme er wieder zu Geld. Aber nix da, er müsse halt sein Auto und seine Möbel und alles, was nicht niet und nagelfest ist, verkaufen und mit seiner Familie in ein Obdachlosenasyl umziehen. Die Kohle jedenfalls wolle man auf der Stelle haben. Vermutlich für den Kinderficker aus Ägypten, dem auf dem Rückflug nach Ägyptenanien schon der Saft aus dem Schwängel tropft.

Wie gesagt: Fuck the politics!

Alle Rechte Akif Pirinçci vorbehalten © Bonn 2013

Neues Spielzeug

Irgendwie klappt das mit dem Bloggen nicht ganz so, wie man sich das gerne vorstellt. Eigentlich gibt es genuegend Themen, ueber die man schreiben koennte, genuegend Links, die man der Welt eigentlich nicht vorenthalten moechte, allein die Motivation…

Darum wird es die Noch-Abonnenten dieses halbverwaisten Blogs freuen zu sehen, dass es einen neuen Eintrag gibt (hooray!).
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Der Fall Guttenberg im Vergleich zum Casus Joschka Fischer

Der Fall Guttenberg im Vergleich zum Casus Joschka Fischer

Offener Brief an den Chefredakteur des Spiegel
Der Spiegel betreibt geistige Brandstiftung wider die Pressefreiheit

Lieber Georg Mascolo,als den für das aktuelle Heft des Spiegel (9/11)verantwortlichen Chefredakteur spreche ich Dich hier an.Ihr habt die BILD-Zeitung auf Eurem Titelbild angezündet. Sie brennt dort. Diesmal kommt das Feuer also direkt aus dem Spiegel. Bei Springer hat es in der Vergangenheit bekanntlich schon gebrannt. Ihr solltet vorsichtig sein derart zu zündeln! Immerhin steht unter dem (Kunst)-Feuer euer Titel: Die Brandstifter. Die Brandstifter, das seid in diesem Fall ihr. Brandstifter ist in diesem Fall der Spiegel.Als wir uns vor einem ¾ Jahr in Eurem Büro sahen, sprachst Du von den hohen ethischen und journalistischen Ansprüchen, die der Spiegel unter allen Umständen erfüllte.Eure zumindest konkludente Behauptung Guttenberg sei als Minister ein Produkt der BILD-Zeitung und der gebotene Rauswurf des Herrn Ministers Von und Zu wäre von der BILD-Zeitung verhindert worden, stimmt so, wie das Ganze von Euch dargestellt wird, mit Sicherheit nicht. Da sind die Spiegel-Autoren einer fast fünfzig Jahre alten fixen Idee (aus Ostberlin) aufgesessen und haben sich in grenzenloser Fehleinschätzung ihrer selbst und auch des Spiegel in eine Güte und Weisheit hinein gesteigert und in eine weltpolitische Bedeutung, dass man mit dem mächtigsten Presseorgan der Republik Mitleid haben muss.  Wenn ihr das Ganze nicht so verbissen ernst meinen würdet, könnte man glatt denken, ihr habt diesmal einen Kinder-Spiegel an den Kiosk gebracht. Und nun ist Minister Guttenberg weg. Und die BILD-Zeitung ist ihr Idol los. Aber die Brandstiftung  des noch mächtigsten Presseorgans namens Spiegel bleibt.

Der Casus Guttenberg ist eine Peanut gegen den Casus Joschka Fischer

Dr. Molotowcocktail alias Joschka Fischer, Siegelringträger wie Karl Theodor zu Guttenberg, wurde wie Letzterer von den Medien so hoch genobelt, dass er über Jahre auf Platz 1 der Liste der beliebtesten Politiker „fest genagelt“ war.Guttenberg ist eine Peanut gegen Joschka Fischer, allemal wenn man deren politische Bedeutung in ihrer Zeit miteinander vergleicht. Fischer war 2001 ein Gigant, gegen den Guttenberg heute allenfalls ein fränkischer Provinzriese ist. Fischer ist aber auch heute noch, wie sich mittelbar aus Eurem Heft ergibt, das weitaus größere Thema. Sonst würde das Thema der Fischerschen Biographie und der extremen Vergangenheit des linken Halbgottes ja nicht so beredt, mit eiserner Faust unterdrückt, verschwiegen werden.Wer Guttenberg sagt, muss Fischer erst recht sagen. Wer Guttenberg anklagt, aber Fischer laufen lässt, sendet die Botschaft in die Republik, dass es keinen Fall Fischer gibt und das ist katastrophal falsch und deswegen nehme ich diesen Anlass.

Wer im Fall Guttenberg von Moral spricht, wie es viele grüne, rote und auch schwarze Politiker, viele Journalisten getan haben und tun, wer von einem Lügner spricht, einem Betrüger und hohen Maßstäben, die an die politische Kultur in diesem Land anzulegen seien, macht sich im höchsten Maße unglaubwürdig und selber zum Lügner, wenn er so tut, als sei der Fall Fischer so wie er steht und liegt in Ordnung. Das war der Fall nicht und das ist er nicht.Da stehen sich gegenüber; da eine getürkte Doktorarbeit, die inzwischen Seite für Seite seziert wurde und weiter seziert werden soll und deren Enthüllung dazu führte, dass ein Minister jetzt zurück getreten ist. Und auf der anderen Seite eine zehn Jahre währende kriminelle Gewaltvergangenheit mit unaufgeklärten Taten, die selbst dort, wo bereits Fakten an die Öffentlichkeit gelangt sind, wieder in Schubladen verschlossen wurde, damit der betreffende Minister unter allen Umständen im Amt bleiben konnte und auch bis heute nicht ernsthaft beschädigt werden soll.Fischer ist Gallionsfigur einer mächtigen grünen Bewegung gewesen, die heute (ohne ihn) im Begriff steht die Macht im Staate zu übernehmen. Guttenberg ist dagegen im Moment eine bloße Personalie der Geschichte.Fischer und die Fischer-Affäre aus Anfang 2001, die bekanntlich, bevor es zu den weiterführenden Fakten kam, abbrach, werden nicht als Affäre im historischen Stammbaum dieser Republik geführt. Der tiefe Fall des Fischer gilt nicht (einmal) als Thema, was daran liegt, dass Fischer eben nicht, wie es regelgerecht gewesen wäre, über die damals neue Details aus seiner extremen Gewaltvergangenheit stürzte.

Die Fischer-Affäre ist der Sündenfall der links-liberalen Übermachtpresse

Die Fischer-Affäre wird seit zehn Jahren ausgeblendet, als hätte es sie nie gegeben. Sie wird auf eine perverse Art tot geschwiegen. Denn die Fischer-Affäre ist der Sündenfall der links-liberalen Übermachtpresse und lässt Euer Verhalten, jetzt in Sachen Guttenberg, nicht nur als miesen, hochideologisierten Lagerkampf erscheinen, sondern als widerwärtige Heuchelei. (Und geheuchelt ist auch das demonstrierte Nichtwissen um den roten und grünen Medienfilz. Und geheuchelt ist natürlich auch das Nichtwissen über den rot-grünen Titel-und Postenfilz, der die Universitäten seit Jahrzehnten beherrscht.)

Warum stürzte Fischer damals nicht? Warum trat Joschka Fischer 2001 eigentlich nicht zurück? Warum wurde er nicht gestürzt?Ganz einfach: Die grün-linksradikale Halbgottheit Joschka Fischer (mit ausgeprägtem Hang zu eigenem konservativen und kapitalistischen Wohlleben) verkörperte damals in ihrer Person alle rot-grünen Träume ganzer Generationen in Deutschland.Und so war es ein quasi naturgesetzlicher, ganz selbstverständlicher Akt, dass Tausende Schreiberlinge, Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, Politiker, Künstler, Intellektuelle, Filmemacher und dergleichen mehr Anfang 2001 selbsttätig ans Werk gingen und einen breiten, schweren, klebrig-schwülstigen, dumpfen und sehr aggressiven und brutalen Mainstream ins Werk setzten, der Fischer nach oben trug, oben hielt und alles platt walzte, von dem man vermutete, es könnte Fischer schaden.Eine kleine Hilfsüberlegung zwischendurch: allein die öffentlich-rechtlichen Medien in Deutschland, ARD, ZDF, Deutschlandfunk, Deutsche Welle o.Ä. verfügen über einen Umsatz in Gestalt von Gebührenaufkommen (und dem ergänzenden Dickicht von Schatten-und Nebenhaushalten, die den wahren Gelddurchsatz des baren Geldes pro Jahr auf eine unermessliche Höhe treiben), das den Umsatz des Springerkonzerns um das 2 ½ bis 3fache übersteigt.Dann kommen die deutschen Leitmedien, die ich hier einfach mal links-liberal nennen möchte, Stern, Spiegel, ZEIT, FAZ, Süddeutsche, dpa, aber auch viele Regionalmedien wie Kölner Stadtanzeiger, WAZ, Stuttgarter Nachrichten und unendlich viele andere, die ihrerseits in Summe den bösen mächtigen Springer-Konzern in ihrer Wirkmacht in den Schatten stellen.

Im oligopolistischen Markt der Medien ist Springer ein durchaus mächtiger Floh

Das, was seit fünfzig Jahren in den Köpfen der Mainstream-Medien als Ideologie grassiert, die große Gefahr des großen Axel Springer, ist in Wahrheit nichts anderes als die Wut darüber, dass die auf links gebürsteten Mainstream-Medien,( die ihren Linksdrall irgendwann im Laufe der sechziger Jahre beginnend erhielten, mit unterschiedlicher Rotationsgeschwindigkeit),sich in ihrer absoluten Machtentfaltung durch den Störenfried Axel Springer immer wieder gestört fühlen.Dass ihr vom Spiegel die massiven und Jahrzehnte lang andauernden Kampagnen aus Ostberlin, die hier im Westen seit fünfzig Jahren Wirkung zeigen und die belegt und dokumentiert sind, gegen den antikommunistischen Axel Springer, der den SED-Führern ein Dorn im Auge war und der den nachlaufenden Hass der Westlinken (Enteignet Springer!) auslöste, in den ganzen Tiraden der aktuellen Titelgeschichte des Spiegel mit keinem Wort erwähnt, ist schlechter Journalismus.Fünfzig Jahre Anti-Springer-Kampagnen, die im Kalten Krieg begannen, zu unterschlagen zeigt vor allem,  dass die Titelgeschichte, die doch den Eindruck erweckt, als befasste sie sich mit der Geschichte, schlecht recherchiert ist. Wenn man schon uralten Kampagnen aufsitzt und uralte Anti-Springer-Phrasen drischt, sollte man das reflektieren: es gibt doch eine fünfzig Jahre lange kontinuierliche, dokumentierte Geschichte des ideologisch unterfütterten Hasses auf die Springer-Medien. Eine der Hauptaktivitäten zum Beispiel der 68er im Jahr 1967 war, wie nun wirklich jeder informierte Zeitgenosse sehr genau weiß, Anti-Springer-Kampagnen vorzubereiten, und dies mit Geld aus Ostberlin und übrigens mit Geld von der ZEIT (Bucerius) und dem Spiegel.(Augstein).Ihr müsst wahnsinnig geworden sein dies alles unhistorisch und unjournalistisch unter den Tisch zu wischen. (oder in Eurem Titelbild zu verbrennen.) Der Spiegel versiegelt mit seiner Titelgeschichte erneut linke Geschichtsfälschungen und stellt die Realität auf den Kopf.

Die überprivilegierten verschnöselten Kinder und Enkel von 68

Eure Titelgeschichte ist peinlich und verwerflich zugleich. Statt in Demut anzuerkennen, dass die Springermedien durch ihre bloße Existenz ein, wenn auch schwacher Garant für Pressefreiheit in dieser Republik waren und sind, benehmt ihr euch wie die unartigen, etwas ausgerasteten und überprivilegierten Kinder und Enkel und Urenkel von 68, die ihre linke Sozialisation nicht zu reflektieren in der Lage sind und irgendein beliebiges Links glatt für die Mitte halten.Ich verkenne nicht, dass die nachfolgenden Generationen, zu denen ich auch selber zähle, die keine 68er sind, regelmäßig die Feindbilder der 68er, die sich verselbständigt  haben, übernommen haben. Hier weise ich auf das Buch des Kollegen Jan Fleischhauer hin, der die Reflexion der eigenen linken Sozialisation in Angriff genommen hat, wie ich dies bereits ein paar Jahre früher in meinem Buch „So macht Kommunismus Spaß“ getan habe. Ich will sagen: es ist möglich! Man kann sich aus linken Vorurteilen,Selbstgerechtigkeiten und Irrtümern lösen als denkender und fühlender Mensch.Bei Springer, womit man im politischen Diskurs ja prinzipiell nur BILD, BamS, Welt und Welt am Sonntag meint, hat man das populistische Springer-Bashing mit Artigkeit, Feigheit und oft einem krausen Hin-und Her von rechts und links immer wieder versucht zu unterlaufen und auszusitzen. Ich will also Springer hier nicht zum Helden machen. Aber dass Springer per Saldo eine gesellschaftsnützliche Figur in der Presselandschaft ist, sollte endlich auch im linkesten Winkel der Republik erkannt werden.Springer hat überhaupt keine wirkliche politische Linie. Insofern gehen die linken Angriffe bereits deswegen ins Leere. Der Pferdefuß ist, dass die Springermedien sich nie ernsthaft gewehrt haben und sich deswegen allseits der Eindruck verfestigt hat, dass der Rest der Medien drauf hauen darf und dazu auch eine Legitimation besitzt und Springer nur zum Einstecken legitimiert wäre. Da gibt es seit 1968 einen völligen intellektuellen Kollaps bei der Betrachtung der Springer-Medien. Springer ordnet sich eben auch selbsttätig seit vierzig Jahren immer wieder unter.

Springer und die BILD-Zeitung sind keine Engel

Nun wollen wir an dieser Stelle auch nicht verschweigen, dass die gesamte 68er-Bewegung ihrerseits und insgesamt stark durch Mao Tse Tungs Wahnsysteme und durch freundliche Assistenz aus Ostberlin gestützt und gepuscht wurde. Einer der geistigen Brandstifter der 68er, dessen Aufrufen physische Brandstiftungen gegen Springer folgten, war die alten 68er der ersten Stunde, war ein Rudi Dutschke, war aber auch ein Hans Magnus Enzensberger, den Ihr auch wieder in diesem Heft zum tausensten Mal irgendeinen abwegigen Essay gönnt. Ein anderer geistiger Brandstifter von damals ist der Spiegel-Dauergastautor Peter Schneider. Das ist alles nachzulesen, das Kursbuch (der sechziger und siebziger Jahre)des Hans-Magnus Enzensberger sollte Pflichtlektüre sein in Deutschland und auch im Spiegel.Damit möchte ich diese Hilfsüberlegung anschließen: Springer und die BILD-Zeitung sind keine Engel und sie haben Mist gebaut, aber nicht mehr Mist als der Spiegel, der Stern und alle anderen, aber auch nicht weniger. Der von Euch kritisierte Kai Diekmann mag eine schwierige autokratisch agierende und doch nur eingesetzte Figur an den Machthebeln der mächtigen BILD-Zeitung sein, aber nicht minder schwierig war der ebenfalls angestellte Rittmeister Stefan Aust, der 12 Jahre lang den Spiegel lenkte.

Das Hochschreiben solcher Phänomene wie der RAF durch Spiegel, Stern, Zeit und andere

Hast Du schon mal darüber nachgedacht, wie viele Mörder der RAF im Spiegel jedes, aber auch jedes Verlautbarungsinterview, und jeden Vorabdruck irgendeines sogenannten Buches und vieles mehr in den letzten vierzig Jahren gekriegt haben? Dagegen wäre doch Eure Behauptung, dass Guttenberg Privilegien bei der BILD-Zeitung genieße im wahrsten Sinne des Wortes pillepalle.Vierzig Jahre RAF-Foren im Spiegel sind auch nicht „Weltpolitik“,(wie die Titelgeschichten-Autoren prahlen) sondern bestenfalls unterster Lagerkampf. Wie viele Spiegelredakteure in den letzten Jahrzehnten kannten Terroristen und Ex-Terroristen und kumpelten mit ihnen herum und wussten deutlich mehr als sie schrieben? Wie viele Spiegel-Journalisten schönten also die RAF-Geschichte? Und zur Ära Aust: wie viele Ex-Terroristen waren zeitweilig beim Spiegel unter Vertrag? Alles Journalismus mit großer Distanz?

Kurz zurück zum Fall Guttenberg: Guttenberg war in Wahrheit bisher immer noch ein politischer Newcomer, den Meisten noch gar nicht lange bekannt. Der hat eine Doktorarbeit geschrieben oder schreiben lassen und sich in jedem Falle der Technik des Plagiats bedient. Die plagiierten Stellen, die ich gelesen habe, waren inhaltlich gesehen wirklich nichts Dolles, aber Plagiat bleibt natürlich Plagiat. Das Plagiat hat Guttenberg bisher verschwiegen. Ein namenloser Bremer Jurist hat die Plagiate entdeckt (man wüsste gern genauer, wie er darauf kam) und die Süddeutsche Zeitung hat es öffentlich gemacht. Zu dem strafbewehrten Plagiat kommen womöglich noch falsche uneidliche Versicherungen hinzu und dergleichen mehr oder auch nicht, wer weiß. Inzwischen hat Guttenberg, einiges zugegeben und der Doktor ist ihm abhanden gekommen. Und nun auch sein Amt und sein Bundestagsmandat. Daraus macht Ihr vom Spiegel einen Riesenelefanten, moralin bis zum Anschlag.

Ich lass mal die Moraline und den Elefanten so stehen

Nun habt ihr mit eurer brennenden BILD-Zeitung die Norm gesetzt. Mit fast stauffenbergschem Mut habt ihr euch an der Kampagne der Grünen und anderer Medien gegen Guttenberg beteiligt. Und, wie man jetzt weiß, obsiegt. Eurer Feindbild Guttenberg ist weg.Dann allerdings gelten diese Maßstäbe journalistischer Einmischung nicht nur im Einzelfall Guttenberg, sondern hätten auch im Fall Fischer zur Anwendung gebracht worden sein müssen. Präziser: sie sind im Fall Fischer immer noch zur Anwendung zu bringen, was denn sonst?Fischer wurde über Jahrzehnte nicht von der (im Verhältnis) kleinen BILD-Zeitung gemacht, unterstützt, beschützt und ins Sakrale hoch gehoben. Das erledigte die deutsche und die internationale Medien-Oligarchie. Das erledigten die grünen Kartelle in den Medien, in denen Fischer seine Buddys sitzen hatte. Da muss man nun Dir und auch mir nicht einen vom Pferd erzählen wollen, da sind wir beide doch in den Details drin.Eure Geschichte mit Claudia Roth und dem dicken Fischer (Ottie) in allen Ehren. Nebenbei: Warum Ihr derart massive Werbung für Rechtsanwälte wie zum Beispiel für RA Schertz betreibt, erschließt sich nicht, aber es zeigt, dass Euer unkontrollierter Hass gegen die BILD-Zeitung doch sehr groß ist.Joschka Fischer war ein Produkt der wahren Mediengiganten. Ich kenne genug Kollegen, die richtig besoffen im Fischer-Rausch taumelten. Geh mal ins Archiv und schau Dir in Ruhe Eure Hefte der ersten rot-grünen Monate und Jahre an.Da findest Du die „Hymnen“, die Ihr jetzt bei der BILD-Zeitung zu Gunsten Guttenbergs entdeckt haben wollt. Eure „Hymnen“ wurden damals zu Gunsten Fischers (aber auch Lafontaines und der anderen Kandidaten) gesungen, allerdings viel platzintensiver und viel imperativer, als es die BILD-Zeitung je zu Gunsten Guttenbergs tun konnte.Ich erinnere noch im Spiegel unter einem Konterfei Lafontaines die Unterzeile „Lafontaine der Weltökonom“. Und unter andere rot-grüne Konterfeis waren ähnliche Jubelzeilen zu lesen. Damals stand es fest, dass der Physiker Lafontaine keine Ahnung von Ökonomie hatte und heute weiß es jeder. Aber das ist wohl lagerneutraler Journalismus, wie Eure Schreiber in ihrer grenzenlosen Selbstgerechtigkeit, die hier aus meiner Sicht geistige Brandstiftung gegen die Pressefreiheit betreiben, meinen.

Nur der guten Ordnung halber: auch die grüne Partei schleppt mit dem unaufgeklärten Fall Fischer eine ihrer größten Hypotheken mit sich herum. Diese Pestbeule, nämlich ihr terroristisches Erbe, hat die grüne Partei öffentlich aufzuarbeiten, bevor sie ganz in der Gesellschaft ankommen kann.

Eure „Hymnen“ auf rot-grüne Politiker

Auch Fischer wurde, in dem Fall von mir ganz allein, mit Lug und Trug aus seiner eigenen Vergangenheit öffentlich konfrontiert. Und mit Prügelfotos und einem Prügelfilm und mit weiteren Fakten über Molotowcocktails und Schlägereien zuhauf und mit Brandanschlägen. Dahinter steckte damals übrigens eine sehr interessante und sehr aufwändige und gründliche Recherche, und sehr viele Big Names sind in meiner Arbeit, schriftlich dokumentiert, verwickelt: das ist ein wirkliche Fall, der es in sich hat. Und auch wichtig: Bis heute musste ich kein von mir veröffentlichtes Faktum zurück nehmen.Die Geschichte ist Euch und vielen Medienleuten hausintern bekannt: Ich habe Aust über meine Recherchen informiert, Aust hat versucht die Fischer-Geschichte an mir vorbei mit Spiegel-Mannen (und einem Ex-Terroristen wiedermal als Spiegel-Rechercheur) aufzustellen und ist grandios gescheitert. Und zwar in zweifacher Hinsicht: erstens hat er die ganz harten Fakten nicht bekommen, und zweitens hat er dann vor der Übermacht der anderen „Fischer-Medien“ gekniffen und hat seinen scheinbaren Angriff gegen Fischer schnell leise weinend eingepackt und in die Spiegel-Archive geschickt. Und das als Chefredakteur des Spiegel mit dem Instrumentarium Spiegel in seiner Hand.Vor Wut hat er (siehe im Vergleich die vermeintlichen Missetaten der BILD-Zeitung gegen Otti Fischer, die dagegen nichts sind) dann mit der gewaltigen Macht des Spiegel eine regelrechte (und überall nachzulesende) Verleumdungs-und Rufmordkampagne in der Zunft der Journaille veranstaltet und mich im Spiegel und Spiegel online in vielen unterschiedlichen Artikeln diskreditieren lassen, und  das mit Verleumdungen, Beleidigungen und hat die Legende erfunden ich hätte die Fischer-Prügel-Fotos und den Fischer-Prügel-Film, wo auch immer, geklaut: alles widerlegt und trotzdem unbekannt, weil sich auch der Spiegel bis heute weigert die gebotene Rehabilitation meiner Person zu veröffentlichen und die eigenen Fehler einzugestehen.  Alles seriöser, hochklassiger, moralisch einwandfreier Journalismus? Alles korrekte Information der Leser und der Öffentlichkeit?

Die maßlose biologistische Kampagne gegen eine einzelne Journalistin

Der Spiegel kümmert sich in seiner Spiegel-Titelgeschichte liebevoll mit den armen vorgeblichen BILD-Zeitungsopfern Sebil Kekilli und Ottfried Fischer. Oh wie süß! Aber die mediale flächendeckenden Misshandlung der Journalistin Bettina Röhl, die der Spiegel mit allen anderen Medien gemeinsam massiv diskriminierte und verleumdete, kehrt ihr unter den Tisch. Aus dieser Täterschaft der Medien ergibt sich auch eine Handlungspflicht, nämlich die Bringeschuld der Medien den Fall wieder auf die Füße zu stellen.Die biologistischen Sauereien (ich hätte Fakten über den Außenminister nur wegen meiner „verlorenen Kindheit“  „aus Rache“ ausgegraben und sei natürlich „pathologisch“, „fanatisch“, „durchgeknallt“, „voller Hass“, noch „schlimmer als  die Mutter“, ich hätte das Terrorgen, das es nicht gibt, geerbt) über meine Person stehen überall im Netz, weltweit bis in die New York Times hinein. Mein Buchvertrag bei Kiepenheuer &Witsch wurde aufgrund der Kampagne (auch des Spiegel) gegen meine Person gekündigt. Und ich kämpfe seit zehn Jahren mit einem individuellen, ganz singulären und extrem berufsschädigenden Generalverdacht gegen meine Person („Terroristentochter“) und das alles wegen einer journalistisch erstklassigen Arbeit, die dem führenden ideologischen Lager auf den Senkel ging.Erst gab es nur den Tatbestand „Terroristentochter“, später auch die Vokabel und die Absicht war und blieb dieselbe, nämlich auf diskriminierende biologistische Weise einen Menschen und dessen journalistische Arbeit zu vernichten. Das war purer Rassismus. Unzurechnungsfähig, weil die Mutter unzurechnungsfähig war? Pathologisch und fanatisch, weil von der Mutter geerbt? Die Medien machten es flächendeckend ihren Konsumenten deutlich: es sei schlimmer die bloße  „Tochter“ einer Mutter zu sein, die einmal Terroristin gewesen war, als eigenhändig Molotowcocktails geworfen oder zu deren Einsatz aufgerufen zu haben und eine zehn Jahre anhaltende aktive Gewaltvergangenheit hingelegt zu haben. Herkunft verjährt nicht, aber die Taten des Joschka Fischer, verjährt oder nicht, seien doch alle längst Vergangenheit.

Also Vorsicht, hier schreibt Bettina Röhl, in ihr schlummert das Terrorgen! Das war die klare Botschaft, die bis heute Bestand hat. Auch eine einzelne Person ist eine diskriminierbare Minderheit. Ich beziehe mich hier auf die heute gängigen Definitionen, was Rassismus ist.Das Lager, hier vornehmlich der Medien, war so hochideologisiert, dass pure schlichte Fakten über Fischer wie Gotteslästerung behandelt wurden. Molotowcocktails? No problem. Wüste Schlägereien – Fischer tritt mit Füßen zusammen mit drei weiteren brutalen Typen seiner Putzgruppe auf einen einzelnen bereits am Boden liegenden Mann ein  – waren kein Problem. Hausbesetzungen, Diebstahl, Hehlerei, Drogen, PLO, RAF-Sympathisantenschaft und selber Terrorist, alles kein Problem. Und selbst Brandanschläge? Alles kein Thema, kein Problem.Das waren allerdings alles Fischer „Doktorarbeiten“, an der er sieben Jahre respektive ein Jahrzehnt „gearbeitet“ hat. Das waren seine Meriten, seine Karrieresprünge, denn ein Abitur geschweige denn ein Studium oder gar eine Doktorarbeit hat Fischer ja nicht.Wer allerdings in Fischers „Doktorarbeiten“ wühlt, wer es genau wissen will, wie Fischers Taten in  seiner Vergangenheit realiter aussehen, muss „traumatisiert“ sein. Wer sich nicht mit Fischers Statement: „Wir waren keine Lämmerschwänze“ oder mit seinen peinlichen Spruch „Ja, ich habe Brüche in meiner Biographie“ zufrieden gibt, muss „fanatisch“ und durchgeknallt“ sein. Und wer behauptet, die schöne mythologisch erhöhte 68er-Vergangenheit eines Joschka Fischer sei kriminell gewesen, wird wie ein Außerirdischer behandelt.

Eisiges Schweigen liegt bis heute über den unaufgeklärten Brandanschlägen der Spontiszene

Und dann sind da ja auch noch die Brandanschläge aus der Frankfurter Spontiszene heraus, zum Beispiel auf einen Polizisten, der mit lebensgefährlichen Verletzungen knapp überlebte und der durchorganisierte Molotowcocktail-Angriff auf das spanische Konsulat in Frankfurt: unverjährbare Taten, da versuchter Mord in Deutschland nicht verjährt.Diese Fälle überstiegen 2001 und bis heute die Toleranzgrenze der links-liberalen Leitmedien: man darf über alles berichten, aber doch nicht darüber. Man recherchiert diese bis heute unaufgeklärten Fälle, deren Existenz aber bereits bekannt ist, aktiv nicht. Die Medien überpüfen auch nicht das sonderbare Verhalten der Staatsanwaltschaften in diesen Fällen oder das sonderbare Verhalten der Regierung Koch. Eisiges Schweigen liegt über diesen Fällen. Man bringt Fischer damit nicht in Verbindung und man kritisiert nicht einmal, dass die Frankfurter Ermittlungsbehörden eine ganz exorbitant fragwürdige Rolle gespielt haben.Noch mal zur Erinnerung: während meiner ersten Veröffentlichungen zum Fall Fischer im Jahr 2001 lief gerade aktuell das Verfahren wegen versuchten Mordes an dem Polizisten durch einen Molotowcocktailanschlag aus dem Jahr 1976. Das Verfahren war im Jahr 1999 wieder aufgenommen worden, offiziell wegen neuer Zeugen und Indizien.  Aber obwohl dieses Verfahren 2001 während der medialen Fischer-Affäre parallel im Hintergrund lief, wenn auch in einer höchst fragwürdigen Weise, ( aber das ist ein anderes Thema) wurde seit ungefähr seit dem 1.März 2001 nicht mehr im Fall Fischer recherchiert. Wer ist denn nun angeklagt worden? Gab es Entlastungszeugen zu Fischer?Gab es Belastungszeugen? Ist das Verfahren abgeschlossen worden? Noch einmal: Gegen Fischer wurde 1976 wegen versuchten Mordes ermittelt und dieses Verfahren war ohne große Beachtung der Öffentlichkeit 1999 wieder aufgenommen worden und lief 2001 und wurde auch noch in den folgenden Jahren von der Staatsanwaltschaft verfolgt. Aber obwohl Fischer noch bis 2005 im Amt blieb, gab es keine Berichterstattung  mehr zu diesem Verfahren Und Fischer wird auch in Interviews und in Filmen über ihn nicht mal danach gefragt.Selbst ein laufendes Verfahren wegen versuchten Mordes, zu dem ich 2001 allerlei massive Unstimmigkeiten über einen getürkten Zeugen und V-Mann der Polizei öffentlich thematisiert hatte, wird aktiv und geschlossen von der gesamten Presse und eigenartigen Weise auch von der Politik ignoriert, obwohl es um den damaligen Außenminister und Vizekanzler der Republik ging.

Wo war da der Aufschrei des Spiegel?

Grotesk: Das ZDF sendete 2008 einen aufwändigen udn langen Film zur Biographie Fischers, in der die Gewaltvergangenheit Fischers  ausgeblendet wurde! Wo war da der Aufschrei des Spiegel? Wieso wurde hier nicht dsa ZDF als Brandstifter bezeichnet und der damalige Fernsehchef Nikolaus Brender entsprechend vorgeführt?So ein Verhalten der Medien, so ein kollektives Schweigen, wo Recherche, Transparenz, Öffentlichkeit und Nachfragen geboten gewesen wären und auch noch geboten sind, hat es in der bundesrepublikanischen Geschichte sonst nicht gegeben. Und es wird bis heute wie ein Sakrileg behandelt, diesen Fall sorgfältig zu recherchieren und darüber zu berichten.Und wenn dann auch noch ein Bundespräsident sich in die Pressefreiheit der Journalistin Bettina Röhl einmischt und diese als traumatisierte „Tochter“ diffamiert, die ihre eigene Mutter mit Joschka Fischer verwechseln (!) würde und in ihrem Hass nur „Gegenbilder“ suchte, dann sahen es die Medien mit Wohlwollen. Da kommt endlich mal einer, der es ihr gibt, damit sie endlich aufhört den armen Fischer mit Dingen aus dessen Vergangenheit zu quälen, die wir alle gar nicht wissen wollen. So mussten die Artikel in allen oben zitierten Leitmedien verstanden werden. Und bei dpa, wo Fischer die dicksten Buddys hatte. Man steige in die Archive und gehe ins Netz.

Was ist mit den Details?

Kaum hat Guttenberg seinen Abgang perfekt gemacht, wird dessen doch etwas peinliche Rücktrittsrede von den Journalisten und Wissenschaftlern, Internetforen usw. seziert und man moniert zu Recht, dass Guttenberg nur nebulös und abstrakt von seinen Verfehlungen sprach, statt die Details zu benennen.Bei Fischer sind genau diese Details aus seiner Gewalt-Vergangenheit unerwünscht. Es gibt die große  Omertà des linken Lagers, die großen Omertà der sonst überaus geschwätzigen linksliberalen Medien. Um es klar zu sagen, und das muss man bereits nach den veröffentlichten Fakten, die vorliegen, sagen: Fischer war Terrorist, auch wenn Terrorist keine gesetzlich geschützte Berufsbezeichnung ist. Die Vokabel „Terrorist“ hat in der deutschen Sprache einen, wenn auch sehr unspezifischen Inhalt, demgemäß es völlig artifiziell wäre, die Gewaltspontis der Frankfurter Szene mit ihrer erklärten, clandestinen Massenmilitanz nicht Terroristen zu nennen.Inzwischen habe ich von einem Top-Geld-Manager auch noch erfahren, dass Fischer sich hat als Hausbesetzer von den Eigentümern hat „auszahlen“ lassen. Wenn das seine linksradikalen Genossen wüssten!Fischers Untaten, verglichen mit den Untaten des jetzt etwas einfältig rüberkommenden Adligen, haben ein Gewicht und einen Unrechtsgehalt, die den Schönling aus Franken wie einen etwas unartigen Lausbuben aussehen lassen. Aber da musste dann offenbar mit dem Kanonenrohr geschossen werden: da musste Rudolf Augsteins Sturmgeschütz der Demokratie nochmal gucken, ob es noch schießen kann.

Was ist nun das Ergebnis des Vergleich Guttenberg-Fischer

Was ist nun das Ergebnis des Vergleich Guttenberg-Fischer, den ihr vom Spiegel mittelbar jetzt auf die Tagesordnung gesetzt habt: Hier der kleine Guttenberg mit der kleinen Verfehlung gestützt von der singulären BILD-Zeitung, da der dicke fette Obergrüne Fischer mit der Medienmacht der Medienkartelle und einer hammerharten Gewaltvergangenheit. Hier ist der Guttenberg, der jetzt geschlachtet wird, da ist der Fischer, der auch heute noch leise hofiert und geschont wird.Guttenbergs Geschichte ist peinlich. Aber irgendjemand hat, so meine Vermutung, dem Bremer Professor, der das Plagiat in Guttenbergs Doktorarbeit fand, einen bösen Tipp gegeben. Diesen Bremer Professor müsste man, finden ich, schon noch etwas näher durchleuchten. Noch mehr aber muss Licht in den Medienskandal mit dem Namen Fischer/Röhl aus dem Jahr 2001 gebracht werden, der inzwischen noch wichtiger ist, als die Vergangenheit des vergleichsweise schnell verblassenden Fischer. Dies ist eine Aufforderung den seit zehn Jahren unterdrückten Fall Joschka Fischer endlich mit allen bekannten und bisher unbekannten und nicht veröffentlichten Details und Fakten in Angriff zu nehmen und auf der anderen Seite ganz aktiv meine Person zu rehabilitieren. Die Hetzkampagne unter dem Rubrum „Terroristentochter“ versiegelt den Fall Fischer bis heute. Der Terrorist war Fischer und nicht die Journalistin, die Aufklärung wollte und will Namens der Pressefreiheit

Bettina Röhl

Zum Original

Dual Head und aktuelles X.org

Was mich schon laenger umtreibt ist die Unsitte moderner Linux-Distributionen keine X-Konfigurationstools (mit Ausnahme von xrandr) mitzuliefern. Wie richtet man jetzt also auf Desktop-Manager-Level (also vor dem Einloggen) die Monitore ein? Dass X.org den primaeren Screen links vom sekundaeren anordnet, koennte ich prinzipiell noch verschmerzen, wenn der Monitor am DVI-Anschluss der primaere waere. Isser aber nicht.

Natuerlich koennte ich jetzt ein kleines Skript basteln, das mir die Monitore nach dem einloggen ordentlich einrichtet, aber irgendwie bin ich mit der Vorgehensweise nicht so ganz zufrieden.

Gibt es sauberere Loesungen fuer das Problem?

Auch wenn’s nichts zur Sache tut, die Distro ist Fedora 14.

Gewalt und Gewalt

Gewalt ist ja nun ein ziemlich subjektives Thema, ganz besonders, wenn es nun um die Einschaetzung derselbigen geht. Wie man nun aber allen Ernstes behaupten kann, eine Bewegung sei gewaltfrei oder friedlich, wenn es an der Tagesordnung gehoert, Polizeibeamte zu beleidigen oder taetlich anzugreifen, Polizeifahrzeuge zu belagern, wenn man Angst haben muss, dass einem, nur weil man anderer Meinung ist und das auch offen zeigt, das Auto demoliert, man beleidigt, koerperlich angegriffen oder aufs Unflaetigste beschimpft wird (Nazi, Faschist, Kinderschaender, etc), das ist mir ein absolutes Raetsel.

Wie man dann aber gleichzeitig von buergerkriegsaehnlichen Zustaenden, uebermaessiger Polizeigewalt und aehnlichem reden kann, erschliesst sich mir auch nicht. Es liegt an jedem selbst, sich, so er dieser entgehen moechte, den Weisungen der Beamten zu fuegen - oder eben nicht. In letzterem Falle muss er oder sie eben auch mit Konsequenzen rechnen. Dass beim Einsatz von Wasserwerfern nun auch Jugendliche oder Kleinkinder in Mitleidenschaft gezogen werden, laesst sich wohl nicht unbedingt vermeiden. Allerdings sollte man hier zuallererst fragen, was gerade Kleinkinder auf solchen Demos zu suchen haben, warum die Erziehungsberechtigten nicht beim ersten Anzeichen von massiverem Polizeieinsatz das Weite gesucht haben.

Dies nun einzukalkulieren und hernach medienwirksam auszuschlachten, ist allerunterste Schublade. Das sind Methoden, die man normalerweise aus dem Nahen Osten kennt.

Wenn die Projektgegner eine weitere Eskalation vermeiden wollen, sollten sie vielleicht endlich mal akzeptieren, dass Stuttgart 21 beschlossene Sache ist, dass sie lang genug dafuer Zeit hatten, sich produktiv dafuer einzubringen und die Belagerungen des Baugrundes einstellen. Alles weitere wird nur zu noch groesseren Ausschreitungen fuehren. Wenn naemlich die Jungs und Maedels, die in Hamburg, Berlin und Heiligendamm zugange sind und waren merken, dass das verschlafene Stuttgart ja eigentlich doch ein interessantes Pflaster ist, na dann gute Nacht Marie.

Banken, der Staat, Verstaatlichung und Staatsbanken - und das langfristige Ziel?

Auf die Idee gekommen bin ich beim Lesen dieser Ueberschrift.

  1. Staatlich gedeckte Banken spielen zu Konditionen am freien Markt mit, die Privatbanken nur unter hohem Risiko bedienen koennen
  2. Naturgemaess gehen dabei einige Banken drauf und werden, da sie systemisch sind, unter Papa Staats Regenhaube geholt
  3. Aus populistischem Kalkuel wird die Obergrenze fuer die Gehaelter der Fuehrungsriege dieser Banken gedeckelt
  4. Die Fuehrungsriege besteht nur noch aus Leuten, die fuer dieses Gehalt bereit sind zu arbeiten
    1. In diesen Gehaltsregion sind Idealisten vermutlich eher selten anzutreffen
  5. Man bekommt ein mittelmaessiges Management
  6. Mit mittelmaessigem Management und dem Steuerzahler im Ruecken kann man natuerlich wunderbar weiterhin Fehlentscheidungen treffen, die Privatbanken in den Ruin treiben
  7. Man faselt irgendwelches wirres Zeug von Marktversagen und Gier und reibt sich die Haende, steht man doch als Ritter in strahlender Ruestung da

Diese Schritte lassen sich beliebig oft wiederholen - oder zumindest solange, wie es Privatbanken im Lande gibt. Mit Sicherheit laesst sich das auch auf andere Wirtschafts- und Industriezweige uebertragen.

So entstehen Verschwoerungstheorien :)

S21, Du nervst! (K21, Du übrigens auch)

Wenn es um Stuttgarts Lieblingsthema geht, muss man eigentlich weit ausholen. Da ich mir aber nicht ständig irgendwelche Blogeinträge, Tweets, Facebook-Nachrichten und anderes mediales Gedöns zu Gemüte führe (nicht, weils mich nicht interessiert, sondern weil mir schlichtweg die Zeit fehlt), bleibt der Ausholradius ziemlich klein. Ein paar Worte muss ich nun aber doch verlieren, und zwar aus dem Grund, dass mich die ganze Thematik schlichtweg nur noch nervt!

Wer jetzt übrigens fragt: Ja, ich bin FÜR den neuen Bahnhof! Zum einen, weil ich den Kopfbahnhof für ein völlig überholtes Konzept halte, zum anderen, weil der Verkehr in Stuttgart (sowohl Schiene als auch Straße) so verplant ist, dass man jede Menge Zeit braucht, um von A nach B zu kommen. Schonmal mit der Bahn von Weilimdorf zum Flughafen gefahren? Dauert in etwa ne Stunde. Bravo! Allein die Fahrzeit vom Hbf zum Flughafen schlägt mit (AFAIR) 27 Minuten zu Buche. Desweiteren halte ich viel davon, das ansonsten tote Schienengelände durch Nutzflächen für Handel etc. zu ersetzen.

Doch kommen wir nun mal zum eigentlichen Thema. Ich bin GENERVT! Fakt ist doch wohl, dass der Bahnhof gebaut wird. Okay, ich mag mich irren (passiert mir öfters mal). Fakt ist doch aber wohl auch, dass die Planungen nicht erst gestern aus dem Hut gezaubert sind. Wo waren denn da die ganzen Gutmenschen, die Parkschützer, und die Endvierziger, die jetzt durch die Stadt ziehen, um an jeden Straßenpfahl, jede Telefonzelle und jedes öffentliche Örtchen ihr kleines grünes Geschenkbändchen zu binden in dem Glauben, sie würden hier die Palastrevolution lostreten? Und warum sind es ausgerechnet die biederen Bürgerlichen, die Aufkleber an die Rathaustür kleben, und das auch noch völlig legitim finden? Jeder halbgare Jugendliche wäre dafür sofort an den Pranger gestellt worden.

Was mich aber am meisten nervt ist die Art und Weise, wie man mit dem Thema vollgespamt wird. Printmedien (nebst Netzauftritten), TV, Web2.0 - man kann einfach keinen Tag verbringen, ohne dass man mit S21/K21 dichtgeschissen wird. Sowohl Gegner als auch Anhänger sind zu Jubelpersern mutiert, die sich von früh bis spät abfeiern und nebenher noch eifrig damit beschäftigt sind, die Kontrahenten möglichst dumm dastehen zu lassen. Das soll immer ganz fair rüberkommen, jaja, ist ja nur gutgemeinte Kritik, die Wahrheit sieht aber anders aus. Es wird getwittert, dann retweetet, dann der Retweet retweetet und jedes Mal geht die große LaOla-Welle durchs Netz, dass die Bits rascheln. Das meiste ist einfach nur noch peinlich. Man guckt Flügel-TV von früh bis spät, brüllt seinen Gegnern auf offener Straße seine Meinung zu und versieht seine gesamte Garderobe mit soviel Buttons, dass es selbst den in den 80ern Hängengebliebenen zuviel wird. Man geht zur Demo oder Gegendemo (ist ja für viele das erste Mal gewesen, dass man für oder gegen etwas demonstriert) und solidarisiert sich auf Stammtischniveau. Selbst im Rest von Deutschland ist S21 inzwischen kein unbekanntes Thema mehr. Stuttgart in aller Munde - die spinnen, die Schwaben!

Unverschämt finde ich, dass diejenigen, die am lautesten nach Demokratie brüllen, am ehesten dazu geneigt sind, Sachbeschädigung, Nötigung usw. zu betreiben. Frei nach dem Motto “Wenns eh schon soviel kostet…”. Baublockaden von nem Haufen Rentner und links-ökologisch korrekten Tütensuppenessern sind einfach dreist. Unverständlich dagegen auch, dass man FÜR etwas Laufen muss, was eh schon beschlossene Sache ist. Hallo Freunde, der Bahnhof wird gebaut! Ist doch das, was ihr wollt. Wozu dann noch den Dummdreisten etwas entgegensetzen? Mit Argumenten Turnschuhen könnt ihr da eh nix erreichen.

Fazit: Liebe Medien, liebe Befürworter, Gegner, Freunde und Nichtfreunde…bitte lasst mal die Kirche im Dorf, die Tweets in der Tasche und die Turnschuhe im Schrank. Spart jede Menge Nerven, Ärger, und mir Zeit, die ich anstatt mit bloggen, aufregen und aktiven Weglesen lieber mit einem kühlen Bier vor dem Fernseher verbringen könnte. Auch Vollzeitmütter wollen mal Feierabend haben.

Over and out!

Argumente für Stuttgart 21

Der folgende Text stammt nicht von mir, wie aber gegen Ende ersichtlich wird, ist Weiterverbreitung erwuenscht und ich fande den Text einfach viel zu umfangreich, kompetent und ausfuehrlich, um ihn nicht zu verbreiten.

Aenderungen meinerseits gibt es nur in der Formatierung. Alles andere ist originaler Wortlaut.

Gefunden in der Kommentarspalte zu Kein Gespräch ohne klares Zeichen in der Stuttgarter Zeitung

Und jetzt viel Spass.

Argument 1
Bäume/Park

S21

Es werden 282 Bäume mit einem Stammumfang größer 80 cm gefällt (nach Stuttgarter Baumsatzung, siehe Planfeststellungsunterlagen/Beschluss PFA 1.1). Und zwar im Park, vor dem Nordflügel und auf der Nord-Westseite des Gleisvorfeldes in Richtung Nordbahnhof. Darunter einige sehr große und zum Teil sehr alte Bäume. Ein Stammumfang von 80 cm entspricht übrigens einem Durchmesser von 25 cm, es werden also auch jede Menge „kleinere“ Bäume gefällt.
Diese werden bis 2020 durch 293 neue, bis zu 12 m hohe Bäume ersetzt, also nicht gerade Setzlinge. Der Park wird um 20 ha (=200.000m²) erweitert, das entspricht ca. 30% der heutigen Parkfläche. Ab 2020 kommen hier noch weitere, mindestens 1.000 bis maximal 5.000 Bäume dazu.

Sanierung bestehender Kopfbahnhof

Im Park ändert sich nichts, keine Vergrößerung, keine zusätzlichen Bäume.

K21

Nach Vorstellung der K21-Befürworter sollen die zwei neuen Gleise nach Bad Cannstatt in der bei S21 für die S-Bahn vorgesehenen Tunneltrasse verlaufen. Es ist jedoch anzuzweifeln, dass die hierfür erforderliche Kreuzung der vorhandenen vier S-Bahn-gleise gelingt.Ein Abtauchen innerhalb des Gleisvorfeldes ist aus Platzgründen nicht realisierbar, da schon seit dem Bau der S-Bahn die Anbindung der Gäubahn mangels Flächen von einer zweigleisigen auf eine eingleisige Streckenführung reduziert werden musste. Es ist daher davon auszugehen, dass - wie bei den von der Bahn in den 90zigern untersuchten Kopfbahnhofvarianten - die zwei neuen Gleise in Richtung Bad Cannstatt süd-östlich des bestehenden Gleisvorfeldes angordnet werden müssen. Dadurch wird der Park um ca. 1.500 m * 10m =15.000 m² =1,5 ha im Bereich der Platanenallee (Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Allee) dauerhaft verkleinert. D. h. es müssen (Werte nur geschätzt, aber vielleicht macht sich ja jemand die Mühe nachzuzählen) ca. 1.500 m Länge Platanenallee*2 Baumreihen/7,5m Baumabstand = 400 Bäume gefällt werden.

Von der Ehmannstraße bis zur Neckartalstraße wird eine Tunnel parallel zum bestehenden Bahntunnel, ebenso wie dieser in offener Bauweise, erforderlich. Dadurch ist von weiterer, temporärer Parkzerstörung direkt vor dem Schloss Rosenstein auszugehen. Zusätzlich erforderliche Baumfällungen im Neckartal wurden ebenfalls nicht betrachtet.

Argument 2
Mineralwasser

S21

Eine Gefährdung des Mineralwassers ist zwar unwahrscheinlich, aber nicht vollständig auszuschließen. Diesem Umstand wurde im Planfeststellungsverfahren durch das umfangreiche Grundwassermanagement, Problembehandlungsszenarien und Auflagen Rechnung getragen. Die Baugrube wird abschnittsweise und nicht in einem Stück erstellt.

Dabei ist außerdem zu beachten, dass der neue Tiefbahnhof eine Ebene oberhalb der bestehenden S-Bahn (entspricht ca. 10m) liegt, und zwar, bezogen auf das Mineralwasser, stromabwärts parallel und in gleicher Höhenlage wie die Stadtbahn in der Schillerstraße. Der Stadtbahntunnel quert von der Heilbronner Str. bis zur Willy-Brandt-Str. über eine Länge von ca. 500 m den gesamten Talkessel und hat eine Bauwerkshöhe von knapp 7,5 m bzw. im Bereich der Arnulf-Klett-Passage über ca. 250 m die gleiche Bauwerkshöhe wie der neue Tiefbahnhof. Der Mineralwasserspiegel liegt nochmals 30 – 50 Meter unter dem S-Bahntunnel.

Siehe hierzu:
http://www.das-neue-herz-europas.de/de-DE/_Downloads/94e7b6bc-e20b-4ef6-a9ac-1a8d585d4e7b/94e7b6bc-e20b-4ef6-a9ac-1a8d585d4e7b_aa6e897c-b2e4-409e-a623-927bc1464709___Selected.jpg

K21

Das Risiko einer Mineralwassergefährdung ist bei K21 geringer als bei S21, jedoch durch den Bau des für das 3. und 4. Gleis nach Bad Cannstatt erforderlichen Tunnel unter dem Rosensteinpark von der Ehmann- bis zur Neckartal Straße und der neuen Neckarbrücke ebenfalls nicht auszuschließen.

Argument 3
Gefährdung des Bahnhofsturms

S21

Der Bahnhofsturm ist nicht, wie fälschlicher Weise immer wieder behauptet wird, auf Eichen-, sondern auf Eisenbetonpfählen gegründet. Diese Material ist gegen Wasserentzug unempfindlich.

Von einer fachgerechten Bauausführung ausgegangen, werden wie auch beim Bau der Arnulf-Klett-Passage und der U-Bahn, die in ähnlicher Tiefe wie der neue Hbf liegen, keine Schäden am Turm auftreten. Wie bei S21 wurde die Baugrube bei diesen Baustellen mit einer offenen Wasserhaltung (Grundwasserabsenkung) trocken gehalten.

Argument 4
Bau von Tunneln durch Anhydrit

S21

Natürlich sind im Tunnelbau Risiken niemals vollständig auszuschließen. Jedoch ist Stuttgart eine der europäischen Großstädte mit den meisten bergmännischen Tunneln und es liegen jede Menge Erfahrung mit Vortrieb durch Anhydrit vor. Die beiden erstgenannten Tunnel führen durch die gleichen Gesteinsschichten wie der bei S21 geplante Fildertunnel.

  • Hasenbergtunnel (S-Bahn), 5.500m, teilweise im Anhydrit
  • Heslacher Tunnel (B14), 2.300 m, teilweise im Anhydrit
  • Wendeschleife (S-Bahn), 1.500m, im Anhydrit
  • Wagenburgtunnel (825m), im Anhydrit
  • Schwabtunnel (125m)
  • Pragtunnel, S-Bahn (Länge 680 m)
  • Pragtunnel, Fernbahn(Länge 680 m)
  • Kriegsbertunnel (579 m)
  • Hasenbergtunnel (Gäubahn) (258 m)
  • Berghautunnel (200 m)
  • Schnarrenbergtunnel (272 m)
  • Stadtbahntunnel Zuffenhausen (581m)
  • Weinsteigtunnel (SSB) 2.730 m
  • Waldautunnel (SSB) 1.529 m
  • Tunnel Steinhaldenfeld 940 m

Die zahllosen Tunnel in offener Bauweise sind nicht aufgeführt. Auch genannt sei der Engelberg-Basistunnel (2.530 m, teilweise im Anhydrit)), bei dem ein deutlich größerer Querschnitt (20,5m*18,5m, http://www.bjoern-holm.de/downloads/engelbergtunnel_s4.jpg) als bei den o. g. Tunneln aufgefahren wurde und deshalb erhebliche Probleme auftraten. Zum Vergleich: Die geplanten Bahntunnel haben einen Durchmesser von nur ca. 10 m.

Argument 5
Längsneigung der Bahnsteige im Tiefbahnhof

S21

Es wird immer wieder darauf verwiesen, dass die abschnittsweise Längsneigung der Bahnsteige von bis zu 15 ‰ (=1,5%) ein Mangel von S21 sei. Welchem Fahrgast ist denn bisher aufgefallen, dass die S-Bahn-Haltestelle Schwabstraße eine Längsneigung von 16‰, Feuersee eine Längsneigung von bis zu 20‰ aufweist?
Abgesehen davon, dass von den genannten Station bis heute kein massenweises Davon rollen von Kinderwagen bekannt ist, wird ein Hineinrollen von Gegenständen in das Gleis durch eine Querneigung der Bahnsteige zur Bahnsteigmitte hin verhindert.

Argument 5
Komfort für Reisende

S21

Zwischen den einzelnen Bahnsteigen ist die Benutzung von Treppen, Rolltreppen oder Aufzügen erforderlich. Jeder Bahnsteig ist von vier Stellen aus an die drei Verteilerstege angebunden, so dass kurze Wegebeziehungen zwischen den einzelnen Bahnsteigen bestehen.

Durch die Durchbindung der Regionalverkehrslinien werden gegenüber dem Ist-zustand vermieden.

K21/bestehender Kopfbahnhof

Heute ist der Nordzugang der einzige ebenerdige Zugang zum Bahnhof. Die Wege innerhalb des Bahnhofs sind barrierefrei bzw. ebenerdig.

In ungünstigen Fällen müssen jedoch (ohne Nutzung des Fußgängertunnels) Wege von 1.000 m zurückgelegt werden (vom letzten Wagen eines ICE 400 m bis zum Querbahnsteig, 200 m auf dem Querbahnsteig und 400 m zum ersten Wagen des nächsten ICE).

Argument 3
Kosten

S21

Kostenermittlung mit über 10.000 Einzelpositionen, daher hier die höchste Genauigkeit. Kosten ca. 4,1 Mrd. € inkl. Preissteigerung bis 2019.

Sanierung bestehender Kopfbahnhof

Hierfür ist die Instandhaltung und die Erneuerung der Anlagen erforderlich, die durch S21 entbehrlich werden. Unabhängig davon, dass die Instandhaltung hier in den letzten Jahren wegen S21 zurückgefahren wurden, was auch jede Privatperson machen würde, wenn sie davon ausgeht, dass etwas bald nicht mehr benötigt wird, sind die Anlagen zum Großteil 80 – 100 Jahre alt, am Ende Ihrer Lebensdauer angekommen und müssen durch neue Bauwerke ersetzt werden.

Es handelt sich hierbei unter anderem um:

  • Über 500 Weichen inkl. Weichenheizungen
  • Viele km. Gleise, Oberleitung, Erdbauwerke, Stützbauwerke und Tröge
  • Jede Menge Durchlässe, Prellböcke, einige Straßenüberführungen und kleinere Eisenbahnüberführungen so wie die gesamten Bansteiganlagen und -dächer
  • Das gesamte Stellwerke Stuttgart Hbf, Teile der Stellwerke Zuffenhausen und Vaihingen mit insgesamt deutlich über 500 Signalen
  • Rosensteinbrücke (4-gleisig, Länge 75 m)
  • Viadukt über den Nordbahnhof (112 m)
  • 4 Eisenbahnüberführungen über die Ehmannstraße (ohne S-Bahn, die erhalten bleibt)
  • Überführung von 23 Gleisen über die Wolframstraße (Bauwerkslänge je 35 m)
  • Gleisbrücke Gleis 16 (280 m)
  • Die Fernbahnröhre des Pragtunnels (Länge 680 m)
  • Rosensteintunnel, Fernbahnröhre (331 m)
  • Rosensteintunnel, S-Bahn-Röhre (331 m)
  • Kriegsbergtunnel (579 m)
  • Hasenbergtunnel (258 m)
  • Mehrerer Überwerfungsbauwerke im Gleisvorfeld, z. .B Frankenbahn ü. Strecke nach Cannstatt (204 m), Fernbahn nach Feuerbach über Fernbahn aus Richtung Feuerbach, Dreistöckiges Tunnelgebirge im Flaschenhals

Im Gegensatz zum Umbau des Gleisvorfeldes, bei dem im Wesentlichen „nur“ Gleise, Weichen, Oberleitung und Signaltechnik umgebaut wird, ist hier die Erneuerung von Ingenieurbauwerken bzw. gesamten Bauwerkskomplexen erforderlich. Die Überwerfungsbauwerke bestehen aus bis zu drei Stockwerke über der Geländeoberkante und zwei Stockwerke unter Geländeoberkante, da für den Bau der Boden bis auf den tragfähigen Fels abgetragen und die unteren beiden Stockwerke anschließend wieder verfüllt wurden. Tiefgründungen waren damals noch nicht bekannt. Die Lärmbelästigung für die Anwohner, wenn diese Anlagen nachts rückgebaut werden müssten, wäre erheblich.

Ein weiterer Vergleich für den Laien: Sanierung eines Altbaus auf die neue Energieeinsparverordnung und Anpassung des Gebäudes an heutige Ansprüche. Zusätzlich muss man davon ausgehen, dass die Arbeiten nur nachts zwischen 1 und 5 Uhr, vielleicht noch am Wochenende durchführen und können und die Baustelle nur mit Bauzügen angedient werden kann, auf denen die Maschinen jede Nacht von 1:00 bis 1:30 Uhr angeliefert und aufgebau und von 4:30 Uhr bis 5:00 Uhr wieder abtransportiert werden.

Kosten ca. 1,3 – 1,5 Mrd. €

Dazu kommen die Abbruchkosten für Stuttgart 21 (Verlorene Planungskosten, Kosten der Bohr- und Erkundungsprogramme, Rückabwicklung des Grundstückverkaufs, Vertragsstrafen usw. in Höhe von 0,5 – 1,5 Mrd. € (Je nach Angabe Befürworter oder Gegner)

Ergibt in Summe 1,8 – 3,0 Mrd. €

K21

Vorausgeschickt sei, dass es von K21-Befürworter die sinngemäße Aussage bei SWR-Leute gegeben hat, dass er die Kosten von K21 nicht genau kenne, diese jedoch anhand der Tunnellängen mit ca. ¼ bis 1/3 von S21 abschätzt. So eine Aussage kann man einem Kunstmaler zugestehen. Was man einem Kunstmaler jedoch nicht zugestehen kann, ist dass er dann die o. g. und u. g. Zahlen, die von ausgebildeten Eisenbahningenieuren, die so etwas seit zig Jahren machen bzw. den Anlagenverantwortlichen der DB Netz AG, d. h. den Personen, die für die Instandhaltung und die Erneuerung der o. g. Bauwerke verantwortlich sind und diese aus dem eff eff kennen anzweifelt und als Lügen und Behauptungen abtut. Ein Zuschlag von 100 % auf den Kostenrichtwertkatalog der Bahn (=Bau auf der Grünen Wiese) auf Basis der Erfahrungen aus dem Bau der S-Bahn im Gleisvorfeld wird natürlich auch in Frage gestellt.

Für K21 liegt bisher weder eine Planung vor, noch wurde ein Raumordnungsverfahren durchgeführt, noch gibt es auch nur einen einzigen Planfeststellungsbeschluss. Aus den Erfahrungen mit S21 ist hierfür auszugehen von:

  • Raumordnung: 3 Jahre
  • Planfeststellung, Ausschreibung, Ausführungsplanung: 12 Jahre
  • Summe: 15 Jahre

Damit ergibt sich für

1,8 – 3,0 Mrd. €
Sanierung Kopfbahnhof (s. o.)
1,5 Mrd. €
Fünftes u. 6. Gleis nach Mettingen (bzw. Hafenbahnstraße) mit neuem Rosensteintunnel, Neckarbrücken in Bad Cannstatt und Mettingen, 9 km langem Tunnel auf die Fildern, Neubaustrecke bis Wendlingen mit Talbrücken über das Denkendorfer Tal, Sulzbach- und Neckartal.
0,5 Mrd. €
Flughafenanbindung mit Gleisdreieck in Denkendorf, Rohrer Kurve
2,3 – 2,7 Mrd €
Zwischensumme
0,8 – 4 Mrd. €
Kostensteigerung, da Baubeginn frühestens in 15 Jahren, Annahme: 1,5 %/a nach DB bis 5%/a Maximalwert nach Vieregg und Rößler ergibt mit Zinseszins 25 % bis 108 % auf Zwischensumme (ohne Abbruchkosten S21).

Summe: 4,5 – 9,2 Mrd €

Argument 6
Leistungsfähigkeit

S21/K21/bestehender Kopfbahnhof

S21 führt sowohl gegenüber dem bestehenden Kopfbahnhof wie auch gegenüber K21 zu einer Erhöhung der Flexibilität des Stuttgarter Bahnknotens: Aus Richtung Ulm kann zukünftig, auch dank des Ringverkehrs über drei verschiedene Strecken (Fildertunnel, aus Obertürkheim und von Bad Cannstatt) in den Hbf eingefahren werden, aus dem Remstal/Murrtal kann über zwei verschiedene Strecken (Obertürkheim und Bad Cannstatt) gefahren werden.

Im Hbf ist zukünftig kein Lokführerwechsel mehr erforderlich. Die erspart dem Personal 300 – 400 m Wegstrecke oder eine zusätzliche Personalvorhaltung.

Die Kapazität der Zulaufstrecken wird verbessert: Der neue Hbf wird zukünftig durch 8 Zu- und Abfahrgleise gegenüber heute nur 5 angedient.

  • Ein Zu- und ein Ablaufgleis aus Richtung Feuerbach
  • Ein Zu- und ein Ablaufgleis aus Richtung Bad Cannstatt
  • Ein Zu- und ein Ablaufgleis aus Richtung Ober-/Untertürkheim
  • Ein Zu- und ein Ablaufgleis von den Fildern.

Das ergibt in Summe 8 Gleise. Mit diesen können mit dem Spuplan des Tiefbahnhofs gleichzeitig 4 Züge ein und 4 Züge ausfahren.

Der bestehende Hbf hat folgende Gleise:

  • Ein Zu- und ein Ablaufgleis aus Richtung Feuerbach
  • Ein Zu- und ein Ablaufgleis aus Richtung Bad Cannstatt
  • Ein Gleis aus Richtung Stuttgart-Vaihingen (Gäubahn)

Es ergeben sich in Summe 5 Gleise. Dies sollen bei K21 um zwei weitere Gleise nach Bad Cannstatt erweitert werden.

Die S-Bahn-Gleise nach Feuerbach und Bad Cannstatt werden in beiden Fällen nicht mit berücksichtigt, da diese bei allen drei Varianten gleich sind.

Eine Leistungsfähigkeitsuntersuchung des verkehrswissenschaftlichen Instituts der Universität Stuttgart aus dem Jahr 2005 ermittelte für den modernisierten Kopfbahnhof, also K21, eine Kapazität zwischen 28 und 38 Zügen pro Stunde. Für den “Stuttgart 21″-Hauptbahnhof dagegen 42 bis 51 Züge. Die Aussagen von Herrn Hopfensitz in seinem Brief an Herrn Klingberg (http://www.siegfried-busch.de/page23/page63/files/brief-.pdf-egon-hopfensitz-leistungsfa0308higkeitsvergleich.pdf) zu diesem Thema sind nicht korrekt, da er für den Kopfbahnhof einen ein- und anschließend ausfahrenden Zug zweimal rechnet und damit auf die doppelte Leistungsfähigkeit für den Kopfbahnhof kommt.

Für den Laien kann folgender Vergleich die Leistungsfähigkeit von Kopfbahnhof- und Durchgangsbahnhofsgleisen verdeutlichen: Heute finden im Hbf täglich ca. 1190 Zugfahrten statt, davon 540 Fahrten von den 17 Kopfbahnhofgleisen, und 650 Fahrten (S-Bahnen) von nur zwei Durchgangsgleisen. Befördert werden 240.000 Reisende. Quelle:http://de.wikipedia.org/wiki/Stuttgart_Hauptbahnhof#cite_note-db-0

Und weil auch von den Gegner von S21 gerne auf andere Bahnhöfe verwiesen wird:

Hamburg-Hbf ist ein Durchgangsbahnhof mit 8 Bahnsteiggleisen für den Fern- und Regionalverkehr. Dazu kommen 4 S-Bahn-Gleise und 6 U-Bahn-Gleise. Dabei werden 450.000 Reisende mit täglich 1702 Zugfahrten, davon 720 Nach- und Fernverkehrszugfahrten, befördert. Quelle:http://de.wikipedia.org/wiki/Hamburg_Hauptbahnhof und http://www.bahnhof.de/site/bahnhoefe/de/nord/hamburg__hbf/daten__und__fakten/daten__und__fakten__.html

Der unterirdische Zentralbahnhof „Châtelet Les Halles” in Paris hat ebenfalls acht Durchgangsgleise. Er ist das Herz des Zugverkehrs der Ile de France. Über ihn fahren heute bereits täglich ca. doppelt so viele Züge wie im künftigen Stuttgarter Hauptbahnhof.

Nachfolgend einige Fahrzeitverkürzungen die sich durch S21 ergeben:

Stuttgart Hbf – Ulm
28 statt 54 Minuten
Stuttgart Hbf – Flughafen/Messe
8 statt 27 Minuten
Flughafen/Messe – Tübingen
32 statt 64 Minuten
Flughafen/Messe – Ulm
24 statt 95 Minuten
Flughafen/Messe – Bietigheim
27 statt 56 Minuten
Ludwigsburg – Esslingen
20 statt 30 Minuten
Nordbahnhof – Bad Cannstatt (S-Bahn)
7 statt 10 Minuten

Die Fahrzeit nach Ulm ist übrigens seit 1995 identisch. Die Fahrzeit nach München ist derzeit ca. 15 Minuten länger als 1995, aber nicht wegen vernachlässigter Gleise sondern wegen des Streckenausbaus zwischen Augsburg und München. Der Ausbau wird voraussichtlich 2012 abgeschlossen sein.

Durchbindung von Regionalverkehrslinien:

  • Von Heilbronn nach Horb
  • Von Vaihingen (Enz) nach Geislingen
  • Von Schwäbisch Hall nach Tübingen
  • Von Aalen nach Tübingen

Abhängen vom Fernverkehr

Es geht hierbei vor allem um die Relation in Nord-Südrichtung, d. h. Frankfurt-München. Seit der Fertigstellung der NBS Nürnberg-Ingolstadt (2006) beträgt die Fahrzeit über diese 3:11 h und ist somit schneller als über Stuttgart (3:43 h, bzw. ca. 3:30 h nach Fertigstellung des Streckenausbaus zwischen Augsburg und München). Das bedeutet, dass die Relation über Stuttgart nur mit S21 und der NBS konkurrenzfähig bleibt und sonst ausgedünnt werden würde. Siehe hierzu auch folgenden Link, der die Verlagerung zwischen diesen Relationen belegt und dadurch aus Sicht Baden-Württembergs meines Erachtens ein Argument für die Neubaustrecke und nicht dagegen ist.

http://www.scribd.com/doc/37261708/Spiegel-Rennbahn-in-der-Randlage

Argument 7
Integraler Taktfahrplan

K21 und bestehender Kopfbahnhof

Die Einrichtung eines „ITF-Vollknotens“, bei dem die Züge aller Verkehrsrichtungen und aller Zuggattungen (ICE, IC/EC, RegionalExpress/RegionalBahn) gleichzeitig zum Umsteigen im Bahnhof bereitstehen, macht bei der Streckenstruktur im Raum Stuttgart keinen Sinn. Denn im Zulauf auf Stuttgart werden z. B. von Osten her in Plochingen die je zweigleisigen Strecken von Ulm-Geislingen und Tübingen zusammengeführt, ebenso in Waiblingen die Strecken von Aalen und Schwäbisch Hall. Von Cannstatt zum Hauptbahnhof schließlich müssen die Züge dieser vier zweigleisigen Strecken die selben Gleise benutzen. Das bedeutet, dass die ankommenden ICE, IC, RE und RB (d. s. nach derzeitigem Stand bereits 7 Züge) alle hintereinander in den Stuttgarter Hbf einfahren müssen. Bei einem Zugfolgeabstand von nur 3 Minuten für die Einfahrten und Ausfahrten führt dies unter Berücksichtigung der Taktsymmetrie dazu, dass Regionalzüge bis zu 38 Minuten am Bahn-steig stehen müssen, bis alle Züge dieses „ITF-Bündels“ den Bahnhof wieder verlassen haben; bei  zwei zusätzlichen Gleisen zwischen Hbf und Cannstatt ließe sich diese Zeit auf 26 Minuten reduzieren (aus/in Richtung Feuerbach sind es 32 Minuten).
Daraus wird die fatale Fehleinschätzung der ITF-Anwendung beim Kopfbahnhof im Vergleich zum Durchgangsbahnhof deutlich.
Außerdem müssten die Fahrpläne der benachbarten Fernverkehrsknoten (Mannheim und Frankfurt so wie Ulm, Augsburg, München) nach dem Stuttgarter Hbf ausgerichtet werden. Es ist unrealistisch, hiervon auszugehen.

S21

Der für S 21 geplante ITF ist gegenüber dem „totalen ITF-Vollknoten“ sinnvoll reduziert und dadurch dem „Vollknoten“ deutlich überlegen:

  • Die Aufenthaltszeiten der zum ITF-Bündel zusammengeführten Züge sind wesentlich kürzer (max. 14 Minuten gegenüber. 38/26 bzw. 32 Minuten), was für die umsteigenden und für die durchfahrenden Reisenden deutliche Reisezeitgewinne bedeutet.
  • Das Bedienungsangebot im Regionalverkehr wird auf den Strecken bis zu den 4 Zwischenknoten erheblich verbessert: von Plochingen würden bei K 21 beispielsweise beim Stundentakt beispielsweise nach Stuttgart 2 RE im Abstand von 3 Minuten hintereinander herfahren, der nächste RE dann jedoch erst 57 Minuten (beim 30-Minuten-Takt 27 Minuten) später.
    Die für S 21 vorgesehen Bedienungsvariante für den Regionalverkehr führt dagegen beim Stundentakt zu einer halbstündigen, beim 30-Minuten-Takt zu einer viertelstündigen Bündelung von je 4 RE und damit zu einem dichten Angebot auch im Stuttgarter Umland mit deutlich geringeren Wartezeiten als bei K 21.

(Basierend auf der Argumentation von Prof. Heimerl aus http://www.stuttgart21-kommt.de/Stuttgart_21_kommt/Berichte/Eintrage/2010/8/29_Heimerl_zerpfluckt_K21.html)

Experten und Wortführer der S21-Gegner:

Bodack, Karl-Dieter
Maschinenbauingenieur und Designer (u. a. Gestaltung der Interregiozüge)
Holzhey, Michael:
Diplom-Volkswirtschaftler
Rößler, Karlheinz:
Diplom-Psychologe
Roser, Matthias:
Kunst-Historiker
Sittler, Walter:
Schauspieler
Stocker, Gangolf:
Kunstmaler
Vieregg, Martin:
Diplom-Kaufmann

Fazit

Für die Projektverantwortlichen wir die Frage niemals lauten S21 oder kein S21 sondern

• S21 für 4,1 Mrd, beste betriebliche Lösung, Bau eines Regional- und Fernbahnhofs für die Filderregion mit immerhin 200.000 Einwohnern.Schaffung eines neuen S-Bahn-Haltepunkt an der Mittnachtstr., größter Flächengewinn und Fahrzeitgewinne, zukünftig keine Bahnlärm mehr im Talkessel und von den mehr als 60 Varianten, die die Bahn im Raumordnungs- und Planfeststellungsverfahren untersucht hat (siehe Anlage 1, Teil II der Planfeststellungsunterlagen), diejenige mit dem besten Kosten/Nutzenverhältnis die gleichzeitig die gewünschten Ziele am besten erfüllt.

oder

• K21 für 4,5 – 9,2 Mrd. €, Realisierungsbeginn frühestens in 15 Jahren, (für K21 liegt weder eine Raumordnung noch eine Planfeststellung vor. Wenn man analog zu S21 von 3 Jahren für eine Raumordnungsverfahren einschließlich Planung und von 12 Jahren für die Planfeststellungsverfahren ausgeht, ist ein Baubeginn nicht vor 2025 möglich), kaum Flächengewinne, weniger Fahrzeitgewinne als bei S21, erhebliche Betroffenheiten im Park und im Neckartal.

oder

• Sanierung des bestehenden Bahnhofs für 1,8 – 3,0 Mrd. €, Ausdünnung des Fernverkehrs Frankfurt-Mannheim-Suttgart München zugunsten Frankfurt-Nürnberg-Ingolstadt-München, keine leistungsfähige Anbindung des Flughafens, keine Fahrzeitgewinne, keine Flächengewinne

Und da diese Antwort dermaßen eindeutig aufällt, dulden die Projektpartner eben auch keinen Baustopp für S21, welcher die Kosten nur unnötig in die Höhe treibt.

PS: Da ich weder die Möglichkeiten, noch die finanziellen Mittel habe, um aus dieser Zusammenstellung eine Hochglanzbroschüre zu basteln, habe ich nichts dagegen, wenn der Beitrag in anderen Foren, Kommentaren oder Internetseiten komplett oder in sinnvollen Auszügen übernommen oder eingestellt wird.